Ditmar Jakobs gehört zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte des Hamburger SV. Der ehemalige Verteidiger gewann mit den Rothosen zwei deutsche Meisterschaften, den DFB-Pokal und 1983 den Europapokal der Landesmeister. Heute ist Jakobs 73 Jahre alt. Obwohl sein Name bis heute eng mit einem der tragischsten Unfälle der Bundesliga-Geschichte verbunden ist, erzählt seine Laufbahn von sportlicher Klasse, außergewöhnlichem Einsatz und einer tiefen Verbundenheit mit dem HSV.
Als Jakobs 1979 vom MSV Duisburg nach Hamburg wechselte, brachte er bereits einen ausgezeichneten Ruf mit. Der HSV investierte damals nahezu eine Million Deutsche Mark in den Abwehrspieler. Aus dem Neuzugang entwickelte sich in den folgenden Jahren eine feste Größe und schliesslich eine Vereinsikone.
Zehn Jahre voller Einsatz für den HSV
Unter den Trainern Branko Zebec und Ernst Happel war Jakobs über Jahre hinweg eine feste Säule der Hamburger Mannschaft. Der in Oberhausen geborene Verteidiger überzeugte durch kompromisslose Zweikämpfe, Kopfballstärke und Führungsqualitäten. Er war ein Spieler, der Verantwortung übernahm und sich ohne Rücksicht auf persönliche Blessuren in den Dienst der Mannschaft stellte.
Sein körperlicher Einsatz hatte allerdings auch seinen Preis. Jakobs erlitt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Verletzungen und brach sich unter anderem fünfmal die Nase. Bei den HSV-Fans erarbeitete er sich mit seiner kämpferischen Spielweise Kultstatus.
Insgesamt absolvierte er 405 Pflichtspiele für den Hamburger SV. 323 davon bestritt er in der Bundesliga. In der entsprechenden Vereinsstatistik gehört er damit zu den Rekordspielern der Rothosen: Nur Manfred Kaltz und Thomas von Heesen kamen in der Bundesliga häufiger für den HSV zum Einsatz.

Meisterschaften und der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte
Jakobs war an einer der erfolgreichsten Phasen des Hamburger SV entscheidend beteiligt. Mit den Rothosen gewann er 1982 und 1983 die deutsche Meisterschaft. 1987 folgte der Triumph im DFB-Pokal.
Der Höhepunkt seiner HSV-Zeit war jedoch der 25. Mai 1983. An diesem Tag besiegte Hamburg Juventus Turin im Finale des Europapokals der Landesmeister in Athen mit 1:0. Gegen eine hochkarätig besetzte italienische Mannschaft blieb der HSV ohne Gegentor und sicherte sich den grössten internationalen Titel seiner Vereinsgeschichte.
Während Spieler wie Felix Magath, Manfred Kaltz und Horst Hrubesch häufig im Mittelpunkt standen, leistete Jakobs in der Defensive einen ebenso wichtigen Beitrag. Seine Erfahrung, seine Zweikampfstärke und seine Verlässlichkeit machten ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der erfolgreichen Mannschaft.
Nationalspieler und Vize-Weltmeister
Auch auf internationaler Ebene hinterliess Jakobs seine Spuren. Unter Bundestrainer Jupp Derwall kam er zunächst nur einmal zum Einsatz. Nach einer längeren Pause kehrte er unter Franz Beckenbauer in die deutsche Nationalmannschaft zurück.
1986 gehörte Jakobs zum deutschen Aufgebot bei der Weltmeisterschaft in Mexiko. Er stand im Finale gegen Argentinien auf dem Platz, das Deutschland mit 2:3 verlor. Damit wurde er Vize-Weltmeister – ein weiterer bedeutender Meilenstein seiner Karriere.
Der Unfall, der alles veränderte
Am 20. September 1989 kam es im Volksparkstadion zu dem Ereignis, das Jakobs‘ Karriere abrupt beendete. Der HSV traf im Nordderby auf Werder Bremen. Vor lediglich rund 14.000 Zuschauern und bei kaltem Wetter entwickelte sich eine Partie, die auf tragische Weise in die deutsche Fussballgeschichte eingehen sollte.
In der 14. Minute reagierte Jakobs auf einen Schuss von Wynton Rufer und versuchte, den Ball mit einer akrobatischen Rettungsaktion vor der Torlinie abzuwehren. Dabei rutschte er in das Tornetz. Ein Karabinerhaken verfing sich in seinem Rücken und verletzte ihn schwer.
Die Versuche, den Verteidiger aus seiner Lage zu befreien, blieben zunächst erfolglos. Schliesslich musste der Mannschaftsarzt den Haken mit einem Skalpell entfernen. Rund 20 Minuten dauerte die dramatische Rettungsaktion.
Für Jakobs bedeutete der Unfall das Ende seiner Laufbahn als Profifussballer. Dabei hatte er bis dahin weiterhin auf hohem Niveau gespielt. Seine 405 Pflichtspiele im HSV-Trikot sollten nicht mehr ergänzt werden.
Jakobs hat in späteren Jahren deutlich gemacht, dass er nicht ausschliesslich auf diesen Vorfall reduziert werden möchte. Das ist nachvollziehbar: Seine sportlichen Leistungen, seine Titel und seine Bedeutung für den HSV verdienen es, ebenso im Gedächtnis zu bleiben.
Ein neues Leben nach dem Fussball
Nach dem erzwungenen Karriereende musste Jakobs einen neuen Weg einschlagen. Er gründete eine Versicherungsmaklerfirma in Norderstedt und fand damit eine berufliche Perspektive ausserhalb des Fussballs.
Der ehemalige HSV-Spieler blieb zudem mit früheren Weggefährten in Kontakt. Zu den Menschen aus seiner aktiven Zeit, mit denen er weiterhin sprach, gehörten unter anderem Holger Hieronymus, Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer und Sascha Jusufi.
Seine Beziehung zum früheren Verein beschrieb Jakobs später allerdings mit Abstand. Der HSV sei nicht mehr sein Leben, erklärte er anlässlich seines 65. Geburtstags. Er habe sich davon gelöst.
Auch abseits des Platzes war Jakobs für seine freundliche und zurückhaltende Art bekannt. Während er auf dem Rasen als kompromissloser Verteidiger auftrat, galt er im Umgang mit Fans und Nachwuchsspielern als höflich und nahbar.

Die Meinung von HSV ONLINE
Ditmar Jakobs verdient es, als einer der bedeutenden Spieler der HSV-Geschichte in Erinnerung zu bleiben – und nicht allein wegen des dramatischen Unfalls von 1989. Zwei Meisterschaften, ein DFB-Pokal, der Europapokal der Landesmeister und 405 Pflichtspiele für die Rothosen sprechen für sich.
Seine Geschichte zeigt, wie abrupt eine grosse Sportkarriere enden kann. Doch sie handelt ebenso von Führungsstärke, Einsatzbereitschaft und der Fähigkeit, nach einem schweren Einschnitt einen neuen Lebensweg einzuschlagen. Jakobs ist heute 73 Jahre alt, und sein Platz in der Geschichte des Hamburger SV bleibt ihm sicher.