Rayan Philippe schien beim Hamburger SV vor einer vielversprechenden Saison zu stehen. Nach einer überzeugenden Vorbereitung und einem sehenswerten Freistosstor gegen den OSC Lille hatte der französische Angreifer gute Argumente gesammelt, um sich im Team von Merlin Polzin zu behaupten. Dennoch wurde er kurz vor Ende der Transferperiode an den SC Paderborn verliehen.
HSV-Trainer Merlin Polzin hat nun erklärt, warum es zu diesem Schritt kam. Ausschlaggebend war vor allem die kurzfristige Verpflichtung von Fabio Vieira, durch die sich die Konkurrenzsituation im Hamburger Kader veränderte.
Die Verpflichtung von Fabio Vieira änderte die Ausgangslage
Noch im Sommer hatte Polzin die Entwicklung von Philippe positiv bewertet. Der Angreifer habe sich ehrgeizige Ziele gesetzt und gezielt an den Bereichen gearbeitet, die in der vorherigen Saison nicht zufriedenstellend gewesen seien.
Doch mit der Verpflichtung von Fabio Vieira veränderte sich die Situation. Polzin erklärte rückblickend, dass die späte Ankunft des Portugiesen Auswirkungen auf die Perspektive von Philippe gehabt habe.
Der HSV-Trainer sprach offen mit dem Angreifer darüber, dass dessen Einsatzzeiten durch den zusätzlichen Konkurrenten möglicherweise nicht steigen würden. Philippe wusste damit, wie die sportliche Situation einzuschätzen war.
Nach dem ersten Bundesliga-Spiel des HSV bei Borussia Dortmund, das Hamburg mit 0:2 verlor und in dem Philippe als Einwechselspieler zum Einsatz kam, wurde schliesslich eine Lösung gefunden. Der Franzose wechselte auf Leihbasis zum SC Paderborn.
Polzin lobt Philippe trotz des Abschieds
Obwohl Philippe den HSV verlassen hat, äussert sich Polzin weiterhin anerkennend über den Angreifer. Der Trainer bezeichnete ihn als aussergewöhnlichen Spieler, der sich durch Professionalität und einen starken Charakter auszeichne.
Philippe sei auch abseits des Platzes jemand, der unterschiedliche Gruppen zusammenbringen könne. Auf dem Spielfeld verfüge er über klare Stärken und habe bereits in der Vorbereitung gezeigt, dass er Spiele entscheiden könne.
Besonders hob Polzin hervor, dass der Stürmer auch gegen den Ball viel arbeite. Für den HSV-Coach war Philippe deshalb nicht einfach ein Spieler, der sportlich keine Perspektive mehr hatte. Vielmehr ging es darum, eine Situation zu schaffen, die für alle Beteiligten sinnvoll war.
Bei Paderborn sucht Philippe noch nach dem Durchbruch
Beim SC Paderborn verlief der Start bislang wechselhaft. Philippe stand beim Spiel gegen Freiburg erstmals in der Startelf, danach kam er in vier aufeinanderfolgenden Partien als Einwechselspieler zum Einsatz. Dazu gehörte auch das 2:2 gegen Werder Bremen.
Ein Tor oder eine Vorlage konnte der 25-Jährige für seinen neuen Verein bislang noch nicht verbuchen. Damit wartet er weiterhin auf den ersten entscheidenden Beitrag im Trikot der Ostwestfalen.
Der HSV hatte Philippe im Vorjahr für rund drei Millionen Euro verpflichtet. Sein Vertrag in Hamburg läuft noch bis 2028, während die Leihe nach Paderborn bis zum Ende der laufenden Saison vereinbart ist.
Am Samstag kommt es zum Wiedersehen
Das nächste Duell zwischen dem HSV und Paderborn erhält durch Philippes Wechsel eine zusätzliche persönliche Note. Der Angreifer trifft auf seinen Stammverein, bei dem er während der Vorbereitung noch Hoffnungen auf eine grössere Rolle geweckt hatte.
Polzin wünschte seinem ehemaligen Spieler ausdrücklich alles Gute. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Philippe in Paderborn bereits gezeigt habe, weshalb sich der Klub für ihn entschieden habe.
Der HSV-Trainer machte damit deutlich, dass die Leihe nicht als endgültige Abkehr von Philippe verstanden werden sollte. Vielmehr wurde auf die veränderte Konkurrenzsituation reagiert, nachdem Vieira kurzfristig zum Kader gestossen war.
Die Meinung von HSV ONLINE
Der Fall Rayan Philippe zeigt, wie schnell sich die Perspektiven eines Spielers im Profifussball verändern können. Noch während der Vorbereitung deutete vieles darauf hin, dass der Angreifer beim HSV eine wichtigere Rolle übernehmen könnte. Mit der Verpflichtung von Fabio Vieira verschob sich jedoch die Konkurrenzsituation.
Aus sportlicher Sicht kann die Leihe nach Paderborn für Philippe eine Chance sein, regelmässig Spielpraxis zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Entscheidend wird sein, ob er dort seine Qualitäten auch mit Toren und Vorlagen unter Beweis stellen kann.
Für den HSV bleibt die Situation interessant: Philippe besitzt weiterhin einen langfristigen Vertrag. Sollte er in Paderborn überzeugen, könnte seine Zukunft in Hamburg erneut zum Thema werden. Die Entscheidung kurz vor Transferschluss war damit nicht nur eine Reaktion auf die Verpflichtung Vieiras, sondern auch ein Schritt, um für alle Beteiligten eine realistische sportliche Perspektive zu schaffen.