Terem Moffi hat in seiner noch jungen Karriere bereits zahlreiche Länder kennengelernt und viele Hindernisse überwunden. Der nigerianische Stürmer besuchte als Jugendlicher ein Internat in England, musste wegen Visumproblemen monatelang auf seine Rückkehr zum Fussball warten und kämpfte später mit einer schweren Knieverletzung. Nun will er beim Hamburger SV an frühere Leistungen anknüpfen.
Seit seinem Wechsel zum HSV im vergangenen Sommer hat Moffi bei den Fans bereits Sympathien gewonnen. Der 27-Jährige soll dabei helfen, den Hamburgern den Verbleib in der Bundesliga zu sichern. Seine bisherige Laufbahn zeigt, dass er sich auch von schwierigen Phasen nicht dauerhaft aufhalten lässt.
Fussball liegt bei Moffi in der Familie
Moffis Begeisterung für den Fussball begann früh. Sein Grossvater Gregory Moffi spielte erfolgreich für verschiedene Vereine in Nigeria. Auch sein Vater Leonard, genannt Leo, war Fussballer und stand als Torwart zwischen den Pfosten. In den 1980er-Jahren hätte er nach Belgien wechseln können, entschied sich jedoch für eine juristische Laufbahn in seiner Heimat.
Terem schlug dagegen den Weg des Profifussballers ein. In seiner Heimatstadt Calabar im Süden Nigerias verbrachte er schon als Kind einen grossen Teil seiner Freizeit mit Fussball. Gemeinsam mit seinen drei ebenfalls fussballbegeisterten Brüdern wuchs er in einem streng christlich geprägten Elternhaus auf.
In einer früheren Unterhaltung mit dem nigerianischen Portal „ScoreNigeria“ räumte Moffi mit einem Augenzwinkern ein, dass die Schule nicht immer seine grösste Stärke gewesen sei. Hätte er halb so viel Zeit ins Lernen wie in den Fussball investiert, wäre er möglicherweise ein Genie geworden, scherzte er.
Sein Vater erkannte allerdings, dass sein Sohn mehr aus seinem Talent machen konnte. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr spielte Moffi offensiv im Mittelfeld, ohne sich besonders gern an der Defensivarbeit zu beteiligen. Sein Vater brachte ihn dazu, sich stärker auf die Rolle des Mittelstürmers zu konzentrieren.
Mit 16 Jahren allein nach England
2015 traf Moffi eine Entscheidung, die seinen weiteren Lebensweg prägen sollte: Kurz nach seinem 16. Geburtstag verliess er seine Familie und Nigeria, um in England seine Fussballkarriere voranzutreiben.
Möglich wurde der Schritt durch das MTN-Stipendienprogramm, das talentierte Jugendliche in Westafrika unterstützte. Moffi besuchte die Buckswood School in East Sussex und spielte in der Fussballakademie der privaten Schule.
Dort entwickelte er seine Fähigkeiten weiter. Ein Trainer erkannte offenbar auch sein Tempo und machte ihn nach eigener Aussage zum schnellsten Spieler der Mannschaft.
Sein Talent blieb nicht unbemerkt. Emmanuel Amuneke, damals Trainer der nigerianischen U17-Auswahl, nahm Moffi in die vorläufige Auswahl für die Weltmeisterschaft auf. Für den endgültigen Kader reichte es kurz vor der Abreise jedoch nicht.
Moffi liess sich davon nicht entmutigen. Nach ungefähr anderthalb Jahren in England bot sich ihm die Möglichkeit, mit einem seiner Jugendtrainer nach Litauen zu wechseln. Im Sommer 2017 unterschrieb er beim FK Kauno Žalgiris und startete damit in den Profifussball.

Visumprobleme stoppten seine Karriere
Der Einstieg in Litauen verlief allerdings nicht wie erhofft. Moffi erzielte in acht Spielen für Kauno Žalgiris lediglich ein Tor. Zudem stieg die Mannschaft aus der höchsten litauischen Liga ab. Ende 2017 trennten sich die Wege des Vereins und des jungen Stürmers.
Der Verlust seines Arbeitsplatzes hatte weitere Konsequenzen: Moffi bekam Probleme mit seinem Aufenthaltsstatus und musste nach Nigeria zurückkehren. Dort wartete er darauf, die erforderlichen Dokumente für eine Rückkehr nach Litauen zu erhalten.
Diese Phase wurde zu einer der schwierigsten seiner Laufbahn. Nach Angaben seines Vaters blieb Moffi von November 2017 bis Januar 2019 zu Hause. Der Spieler selbst berichtete, dass er acht Monate auf sein Visum gewartet habe. Um die Angelegenheit voranzubringen, musste er sogar nach Südafrika reisen, weil es in Nigeria keine litauische Botschaft gab.
Die erzwungene Pause stellte seine Zukunft im Profifussball infrage. Doch Moffi gab seinen Traum nicht auf.
20 Tore in Litauen bringen den Durchbruch
Ende 2018 erhielt Moffi schliesslich sein Visum. Im Februar 2019 kehrte er nach Litauen zurück und schloss sich dem FK Riteriai aus Vilnius an.
Diesmal lief es deutlich besser. Moffi etablierte sich schnell als Stammspieler im Angriff und entwickelte sich zu einem zuverlässigen Torschützen. Am Saisonende standen 20 Treffer aus 29 Partien zu Buche. Mit Riteriai sammelte er zudem Erfahrung in der Qualifikation zur Europa League.
Seine Leistungen öffneten ihm die Tür zu einem Wechsel nach Belgien. Im Winter 2019/20 durfte er zunächst beim Royal Excel Mouscron vorspielen, erhielt dort aber nach eigener Darstellung keine Verpflichtung. Der Erstligist KV Kortrijk griff anschliessend zu.
Moffi machte direkt auf sich aufmerksam: Bei seinem Heimdebüt gegen den damaligen belgischen Meister Club Brugge traf er zum zwischenzeitlichen 2:2. Vor der Unterbrechung der Saison wegen der Corona-Pandemie gelangen ihm fünf Tore in neun Spielen.
Über Frankreich bis zu einem Millionenwechsel nach Nizza
Im Oktober 2020 wechselte Moffi zum französischen FC Lorient. Bereits bei seinem Debüt traf er und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Spieler. In seiner ersten Saison erzielte er 14 Tore in 32 Partien und leistete damit einen bedeutenden Beitrag zum Klassenerhalt des Vereins in der Ligue 1.
Auch in den folgenden beiden Jahren blieb er in Lorient. Seine Leistungen machten ihn zunehmend für grössere Klubs interessant. Im Januar 2023 wechselte er zunächst auf Leihbasis zum OGC Nizza, ehe der Transfer im Sommer dauerhaft wurde. Die Ablöse lag laut dem vorliegenden Bericht bei 22,5 Millionen Euro.
In Nizza bestätigte Moffi seine Torgefahr. In der Rückrunde seiner ersten Saison erzielte er sechs Treffer und weitere drei in der Conference League. In der Spielzeit 2023/24 kamen elf Tore in 30 Einsätzen hinzu.
Dann folgte der nächste schwere Rückschlag.
Kreuzbandriss und schwierige Monate
Während der Saisonvorbereitung erlitt Moffi einen Kreuzbandriss und fiel beinahe ein Jahr aus. Nach seiner Rückkehr hatte er Mühe, wieder an seine früheren Leistungen anzuknüpfen.
Auch ein halbjähriges Leihgeschäft mit dem FC Porto in der zweiten Hälfte der Saison 2026 brachte nach Angaben des Berichts nicht den erhofften Durchbruch. Im Sommer suchte Moffi deshalb beim HSV einen Neuanfang.
Doch auch in Hamburg musste der Stürmer früh auf seinen Körper achten. Kurz nach seiner Verpflichtung hatte er erneut mit Knieproblemen zu kämpfen. HSV-Trainer Merlin Polzin machte vor Saisonbeginn deutlich, dass der Zustand der Knie genau beobachtet werden müsse.
Der Hamburger SV kannte die gesundheitlichen Fragezeichen, als er Moffi im August für rund zwei Millionen Euro verpflichtete. Gleichzeitig setzte der Verein auf die Fähigkeiten, die der Angreifer in Frankreich und Belgien bereits unter Beweis gestellt hatte.
Beim HSV soll das nächste Kapitel beginnen
Im Oktober gelang Moffi gegen die TSG Hoffenheim sein erstes offizielles Tor für den HSV. Bei der 1:3-Niederlage im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt traf er anschliessend erstmals im Volksparkstadion.
Für den Stürmer sind diese Treffer mehr als nur persönliche Erfolgserlebnisse. Nach den langen Verletzungsproblemen und dem schwierigen Neustart in Hamburg können sie ein wichtiger Schritt sein, um wieder Vertrauen und Rhythmus aufzubauen.
Moffis bisheriger Weg war alles andere als geradlinig: Er verliess als Teenager seine Heimat, scheiterte zunächst in Litauen, wartete monatelang auf ein Visum, schaffte in Europa den sportlichen Durchbruch und musste später eine schwere Verletzung überwinden.
Ob er beim HSV dauerhaft an seine besten Zeiten anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Seine Karriere zeigt jedoch, dass er schon mehrfach nach Rückschlägen zurückgekommen ist.
Die Meinung von HSV ONLINE
Terem Moffi bringt eine ungewöhnliche Geschichte und Erfahrungen aus mehreren europäischen Ligen mit. Seine Tore für den HSV sind ein ermutigendes Zeichen, doch entscheidend wird sein, ob er körperlich stabil bleibt und regelmässig spielen kann.
Der Hamburger SV hat mit der Verpflichtung ein kalkuliertes Risiko übernommen: Das Potenzial des Stürmers ist bekannt, seine jüngere Verletzungsgeschichte ebenfalls. Gelingt es Moffi, wieder dauerhaft fit zu werden, könnte er für den HSV noch sehr wichtig werden. Bis dahin sind Geduld und eine sorgfältige Belastungssteuerung gefragt.